Onceuponatimetaxs Weg zum „nicht“ Steuerberater

Hallo zusammen,

ich möchte hier die Möglichkeit nutzen und von meinem Weg zum „nicht“ Steuerberater berichten.

Seit meinem Studium war mein Ziel das Examen zu bestreiten. Ich konnte es gar nicht abwarten das es endlich los geht. Bis es dann soweit war vergingen 5 Berufsjahre statt der 3. Dann endlich ging es motiviert in die Freistellung von Mai bis Mitte Oktober. Ich besuchte einen Vollzeitkurs und anschließenden einen Klausuren Kurs. Schon im Juli merkte ich, dass diese Art der Vorbereitung für mich nichts ist. Viel zu wenig Zeit für soviel Stoff. Aber hinterher ist man immer schlauer. Ich bin trotzdem ins Examen gegangen mit der Hoffnung vielleicht Glück zu haben und wenn nicht wäre es nicht schlimm da es der erste Versuch war.

Unbewusst war mir klar, dass ich den Zweitversuch gehe, deshalb war die Enttäuschung nicht groß als der Brief kam. Anschließend buchte ich sofort Kurse und stellte einen Lernplan, der sehr viele Klausuren vorsah und den Besuch eines Intensivkurses im Sommer. Die Lernphase im zweiten Versuch lief super ich hatte Spaß und der Stoff setzte sich, sowie die Klausuren Taktik. Im September fühlte ich mich bereit für die drei Tage im Oktober (so wie man sich halt dafür bereit fühlen kann). Dann wurde ich während der Klausuren im Oktober krank, Fieber, der Kopf saß dicht und brannte. Anstatt Vernunft walten zu lassen und nach Hause zu fahren, bin ich geblieben und hab mich mit Schmerzmittel und Nasenspray durch die drei Tage gequält. Ich habe geschrieben wie eine wilde, merkte aber leider auch dass ich manche Textstellen im Klausuren Text sehr oft lesen musste da die Konzentration einfach nicht da war. Aber aufgeben gab es in meiner Welt nicht. Freitags dann gleich zum Arzt, der mich natürlich gleich aus dem Verkehr gezogen hat. Im Nachgang ist mir nicht klar wie ich es geschafft habe diese drei Tage durchzuhalten.

Dann ging die Warterei los, trotz meiner Verfassung beim Schreiben hatte ich kein schlechtes Gefühl und es war kein Vergleich zum erst Versuch. Am Ende bin ich knapp durchgefallen. Nach einer Zeit des Nachdenkens entschied ich mich nochmal anzutreten. Da nicht mein Wissenstand schuld war, sondern meine Tagesverfassung. Eine Pause kam nicht in Frage da ich Angst hatte dann von vorne anfangen zu müssen. Die Vorbereitung im Drittversuch hatte das Motto Klausuren, Klausuren und nochmal Klausuren.

Plötzlich war es auch schon wieder Oktober. Ich war froh diesmal gesund zu sein. Doch eine Sache habe ich unterschätzt, den Druck im Drittversuch zu sein und die Spuren der letzten Jahre die nur aus Arbeit und lernen bestanden ohne Urlaub. Dieser Druck hat sich dann leider an Tag zwei in der Klausur entladen. Tag 1 lief gut, so wie Tag 1 halt laufen kann, wer 2020 das Examen mitgeschrieben hat weiß was ich meine :-D. Tag 2 ging gut weiter, dann plötzlich ein Blick auf die Uhrzeit und mich überkam eine Panikattacke. Mein Kopf sagte mir, das ich nicht im Zeitplan bin und zu viel Zeit mit Aufgabe 1 verschwendet habe. Ich widmete mich der Aufgabe 2 aber die Panik hatte ich mich fest im Griff ich konnte den Aufgabentext nicht mehr erfassen. Ich fing an auf meinem Stuhl rumzurutschen und schaute mich um, als wenn ich von einem Wolf verfolgt werden würde. Irgendwann waren dann zwanzig Minuten vergangen. Ich fing an mich zu Fragen was ich bloß machen soll und mir wurde klar nun hast du wirklich in Zeitproblem, 20 Minuten verlorene Zeit hole ich nicht mehr ein. Dann kam der Entschluss zurückzuziehen, leider kam dieser ein Jahr zu spät. Das hätte ich im Jahr davor machen sollen, um eben nicht in die Situation zukommen, in der ich plötzlich war. Bis zu diesem Tag waren Panikattacken für mich ein Fremdwort. Ich habe volles Mitgefühl für die Leute, die unter Prüfungsangst leiden und ziehe den Hut, wer trotz solcher Panik Prüfungen schafft.

Nach dem der Verstand sich wieder eingeschaltet hatte und mein Körper den Fluchtmodus wieder abgeschaltet hatte, fing ich an den Zeitplan der Klausur durchzugehen (später auch mit meiner Mitstreiterin), um festzustellen das ich vor dem Panikanfall gar kein Zeitproblem hatte.

Ich weiß jetzt wie wichtig die Tagesverfassung an allen drei Tagen ist.

Wie es weitergeht wusste ich bis vor kurzem nicht, leider vergisst man auch gerne das hinter einem schon ein erfolgreicher Werdegang liegt und man einen sicheren Arbeitsplatz hat in einer relativ krisensicheren Branche.

Die große Frage, die sich zurzeit mir stellte war, möchte ich in dieser Branche bleiben? Gibt es vielleicht etwas was mir mehr Spaß macht, mehr Abwechslung, mehr Sinn macht?

Die Entscheidung ist Gefallen, Sie kam ganz plötzlich ich werde, wie man so schön sagt, die Seiten wechseln. Ich habe mich bewusst gegen einen weiteren Versuch entschieden. Ich wünsche mir einen Job mit möglichst normaler gleichbleibender Arbeitsauslastung, weit weg von IDW Checklisten 😉, künstlichen Deadlines und unnötigen Druck. Seitdem ich diesen Entschluss gefasst habe geht es mir deutlich besser, ich habe nämlich immer noch kein Urlaub gehabt seit 2018.

Manchmal kam der Gedanke das die letzten Jahre Zeitverschwendung waren, aber eins tröstet mich immer wieder. Ich habe in dem ersten Jahr so großartige Menschen kennengelernt, aus denen sich Freundschaften entwickelt haben und wir hatten so viel Spaß zusammen, das möchte ich nicht missen. An dieser Stelle möchte ich mich bei einer Person ganz besonders bedanken (ich weiß das sie mitliest), dafür das wir uns Gegenseitig beim Lernen unterstützt haben sei es durch Motivationsansprachen oder einfach mal Gejammer 😉. Schön, dass ich dich kennengelernt habe, auf das unsere Freundschaft bestehen bleibt und wir irgendwann über diesen Abschnitt in unserem Leben nicht mehr trübselig nachdenken und du deinen Weg auch noch findest.

Ich wünsche allen die diesen Weg noch vor sich haben (hoffentlich nicht so einen langen) viel Erfolg und vor allem Gesundheit. Holt euch Tipps wie man sich am besten Vorbereiten kann, aber vergesst dabei nicht darüber nachzudenken ob dieser Weg der richtige für euch ist. Berücksichtigt euren Lerntyp und schenkt dieser Prüfung nicht zu viel Gewicht. Ein bisschen weniger Ehrgeiz bzw. Gelassenheit im Zusammenhang mit dieser Prüfung schadet definitiv nicht.

Eure Onceuponatimetax

9 Kommentare

  1. Hallo Onceuponatimetax,
    wie bist du auf diesen Namen gekommen? Sei stolz auf dich 👏 dich mehrfach dieser Prüfung zu stellen zeigt groß dein Willen und deine Kraft ist. Jeder Arbeitgeber kann sich glücklich schätzen dich zu bekommen. Ich erlebe in meiner Kanzlei was es mit den Menschen macht, die es nicht geschafft haben. Du Gründe sind vielfältig, manchmal nehmen es die Anwärter nicht ernst genug und manchmal zu ernst. Es ist eine der schwersten Prüfungen, einige behaupten, die Schwerste. Ich denke hier zählt auch, dass man dabei war und es versucht hat. Scheitern hat nur in unserem Land und nur in bestimmten vermeintlich besseren Kreisen einen schlechten Ruf. Sich berappen und nach so einer Niederlage sein Leben neu zu gestalten, dass ist die eigentliche Kunst und erfordert Größe.
    Du schaffst das!
    Lg Basti

    1. Hallo Basti,

      vielen Dank. Irgendwie kam mir der Name in den Kopf und ich fand es passend auch schon während der Vorbereitung. Eine solange und intensive Vorbereitung fühlt sich an wie eine Geschichte “ Es war einmal vor langer Zeit….das Steuergesetz und wenn es nicht gestorben ist dann erweitert es sich noch heute um Buchstaben (§ 10 Absatz 1 Nr. 2 Buchstabe a Doppelbuchstabe bb EStG ).

      Außerdem gucke ich die Serie gerne :-D.

      Da hast du recht in unserem Land gilt man schnell als gescheitert. Dabei Scheitern nur die die es auch versuchen. Ich versuche mich immer wieder darauf zu besinnen das man in seinem Leben schon vieles geschafft hat und das der berufliche Teil sowieso nicht der wichtige Teil sein sollte.

      Viele Grüße

  2. Hallo Onceuponatimetaxs,
    vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe beim Lesen viele parallelen zu meinem Erst- und Zweitversuch gesehen und kann dir einiges nachfühlen. Ich finde es große Klasse, dass du den Mut gefunden hast deinen Weg zu überdenken und nicht einfach im Hamsterrad der Vorbereitung weiter zumachen. Ich wünsche dir für deine Zukunft alles Gute. Ich bin mir sicher du gehst deinen Weg.
    Herzlichst
    Sunny

    1. Hallo Sunny,

      ja nach drei Jahren bzw. drei mal Examen kommt der Punkt an dem man nicht mehr im Rad laufen möchte.

      Ich wünsche dir viel Kraft, Ausdauer und vorallem starke Nerven.

      P.S Die Bestehensqoute für Anwärter im Drittversuch liegt bei 70 % wenn ich mich richtig Erinnere. Also deine Chancen stehen Statistisch gesehen besser als im Erst und Zweitversuch.

    2. Ein schöner Spruch für den 3. Versuch: ☀
      „Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ 🍀
      LG

    3. Liebe Beate „mein Kämpferherz ist müde“ 😴
      Mein Kopf will dieses Jahr noch weiter 📚 mein Körper schmerzt und braucht dringend mehr Bewegung 👣
      Wenn ich morgens aufstehe fühle ich mich wie mindestens 85 😟 Ich hab die Zulassung für 2021 aber nicht den Wille 📚
      Ja ich mache immer noch Pause ☀💃☀

  3. Hallo liebe Onceuponatimetax,
    was für eine mutige Entscheidung. Meinen größten Respekt für deinen Weg und diesen Blog. Danke dir, dass du das hier mit uns teilst. Weißt du schon wohin es dich beruflich zieht? Was hattest du studiert? Kannst du dir vorstellen doch nochmal irgendwann den letzten Versuch zu starten oder ist das Thema wirklich ganz raus aus dem Kopf? Mir geht es ähnlich wie dir, auf diesem Weg habe ich wirklich wundervolle Menschen kennen gelernt, dafür hat es sich gelohnt. Und schlechter im Job hat es mich auch nicht gemacht. Wie empfindest du für dich das „Gescheitertsein“? Damit habe ich massiv zu kämpfen. Das treibt mich an es nochmal zu versuchen. Ich wünsche dir alles Gute für deinen beruflichen Weg
    LG Taxfit

    1. Hallo Taxfit,

      vielen Dank für deine Worte. Ich würde gerne die Seiten wechseln ins Rechnungswesen am liebsten in leitender Position oder mit Aussicht auf die Position. Ich hab Wirtschaftswissenschaften studiert mit den Schwerpunkten Steuern und Rechnungslegung/ Prüfung. Vor dem Studium habe ich eine kfm. Ausbildung absolviert.

      Ich empfinde es eigentlich nicht als scheitern eher als Pech. Was nicht weniger nervt :-D. Zur Zeit habe ich absolut kein Interesse nochmal einen Versuch zu starten. Meine Lebenszeit wird mir doch zu wertvoll. Es gibt so viele Dinge die ich aufgeschoben habe wegen dem Lernen keinen Urlaub, wenig soziale Kontakte und wenn man doch mal irgendwo hin war, war man nicht entspannt und mit den Gedanken schnell wieder im Gesetz. Das hat mich während dessen kaum gestört man ist dann ja wie in einer Blase mit anderen die das gleiche durchmachen. Das ist auch gut so gewesen. Wie sehr einem das „normale“ Leben gefehlt hat hab ich erst danach gemerkt.

      Mein Urlaub ist eingereicht und der fällt sehr lang aus. Die Vorfreude ist riesig.

      Ich wünsche dir auf deinem Weg weiterhin viel Erfolg und Durchhaltevermögen.
      Liebe Grüße

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