Dem Leben Sinn geben und Mensch bleiben

Ich lese hier, genau wie ich auch aus persönlichen Gesprächen mitbekomme, ob und wie und wann man sich wieder zur Prüfung anmeldet. Ist es sinnvoll, es in diesem Jahr zu versuchen oder erst im nächsten?

Die Frage, die ich mir stelle, ist, warum man sich dermaßen auf den Steuerberater fixiert. Die Frage gründet sich bei mir darauf, welche Motivation dahintersteckt.

Meine Gedanken ganz allgemein:

Ja, das Leben braucht einen Sinn, um (im wahrsten Sinne des Wortes) sinnvoll gelebt werden zu können. Sinn kann sich aus verschiedenen Quellen speisen, wie zB Kinder (durch die man unsterblich wird, da immer ein Teil der Gene weiterleben), Hobbies, Familie oder Beruf.

Steuerberater ist nur ein Beruf, auch wenn es nicht gerne gehört wird, ein Beruf wie jeder andere auch. Er dient dem Broterwerb, er macht auch (mal mehr, mal weniger) Spaß. Aber lohnt sich der ganze Aufwand der Prüfung sowie der damit zusammenhängenden Prüfungsvorbereitung?

Kein Steuerberater wird jemals mehr sein als Mensch. Mensch war er auch vorher schon. Kein Steuerberater kann über Wasser gehen oder in der Luft schweben. Einzig und allein deswegen, weil es nur ein Beruf ist, keine Philosophie, kein spiritueller Weg.

Kein Steuerberater wird ein besserer Mensch sein, er hinterlässt nichts, was nicht jeder andere mit gleicher Qualifikation auch kann. Stirbt er, wird er vergessen. Mit jedem Menschen, der ihn nach dem Tod vergisst einmal mehr!

Ist das der Mühe wert?

4 Kommentare

  1. Hallo Attila,
    deine Betrachtungsweise ist rein philosophischer Natur, die ich auch verstehen kann. Natürlich ist der Stb auch nur ein Beruf und macht nicht den ganzen Menschen aus, ändert ihn nicht oder macht ihn besser.
    Aber: Man hat ein Ziel und möchte es erreichen und scheitert. Das belastet, egal ob StB oder etwas anderes. Man hinterfragt und vergleicht sich. So ist der Mensch nun mal. Und wenn man soviel investiert, lässt sich das rational nicht einfach wegdenken.
    Da ich den Titel inzwischen habe, nach mehrmaligen Anläufen, sehe ich aber auch, wie anders man als Berufsträger wahr- und ernstgenommen wird, obwohl ich auch vor der bestandenen Prüfung ähnlich gut aufgestellt war. Und das ist es eben, wofür sich das Ganze lohnt: Endlich die Wertschätzung zu bekommen, die einem schon längst zusteht. Warum das Ganze so an den Titel gebunden ist, verstehe ich auch nicht. Der Titel allein garantiert keine Qualität, wie sich ja immer wieder herausstellt. Aber solange es so ist, dass man nur als Berufsträger für voll genommen ist, verstehe ich jeden, der sich da verausgabt.

    lg, Isabell

    1. Hi Isabell,

      Ich stimme Dir zu, auch wenn es nicht nur eine philosophische Betrachtung ist (oder vielleicht doch?).

      Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit, Philosophie und eigene Werte. Da gibt es kein richtig oder falsch.

      Mit meinem Post wollte ich das Nachdenken anregen…

      Lieben Dank für Deine Anmerkungen 🤗

  2. Lieber Attila,
    natürlich hast du Recht!
    Aber darum geht es nicht, wenn wir uns auf den Weg zu diesem Titel machen …
    Hättest du deinen jetzigen Job bekommen, wenn du dir diesen Titel nicht geholt hättest?

    Den Titel nicht zu nutzen, wenn man ihn erst hat, ist eine Entscheidung, aber ihn zu haben eröffnet Möglichkeiten …

    Zu Starten und es nicht zu Schaffen macht echt komische Sachen im Kopf.
    Wir alle kennen den ein oder anderen Vertreter dieser Zumpft, bei dem wir uns immer wieder fragen, wie hat dieser Mensch diese Prüfung geschafft und wir Scheitern?!

    Der Titel macht aus mir keinen besseren oder schlechteren Menschen, aber einen mit mehr Möglichkeiten und dem Wissen, dass ich nicht zu blöd für eine Prüfung bin …

    Mein Motivation kehrt langsam zurück …
    LG Beate

  3. Oh man Attila. Da haust du aber wieder einen raus. Ich habe mich direkt angesprochen gefühlt, weil ich in den letzten Wochen mehrmals über meine Grenzen gehen musste um weiter mein Ziel zu verfolgen. Ich wollte mich direkt rechtfertigen, aber du hast Recht, man ist kein bessere Mensch mit oder ohne diesen Titel. Für mich war der Steuerberatertitel ein Ziel, das ich mir mit Anfang 20 gesetzt habe. Das ich zwischenzeitlich aus dem Auge verloren hatte und das ich versuche mit Anfang 40ig noch zu erreichen. Wenn ich es nicht erreiche, kann ich mir trotzdem auf die Schulter klopfen, da ich mein Bestes gegeben habe um mein Ziel zu erreichen. Es wird in meinem Leben hoffentlich noch viele andere Dinge geben, die mich in ihren Bann ziehen werden.
    Liebe Grüße
    Sunny

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